Kein Business as usual – aber irgendwie geht es doch!

In Zeiten in denen jeder in der eigenen Corona-Suppe kocht erleben auch wir als Vertrieb die unterschiedlichsten Ansätze verschiedener Lieferanten.

Die Kollegen von Audia Flight in Italien und Verity Audio in Kanada sind derzeit zwangsgeschlossen. Irgendwie habe ich das Gefühle zumindest die Chefs freuen sich darüber ganz in Ruhe an ein paar Kleinigkeiten entwickeln zu können.

Bei Cardas Audio in Bandon, Oregon hingegen hat man das Büropersonal ins Home-Office geschickt und die Fertigung arbeitet jetzt in zwei Schichten um mehr Abstand zwischen den Mitarbeitern zu haben. Chefin Angela Cardas kümmert sich um die Moral der Truppe und hat die Musik lauter gedreht. Und dann gibt es da noch das passende T-Shirt zur Krise!

Bei HIFIMAN in China war man zwischenzeitlich für fast zwei Monate geschlossen und nimmt die Produktion jetzt wieder auf, was gar nicht so einfach ist, wenn man Zulieferbetriebe über das ganze Land verteilt hat.

Am wenigsten ist vielleicht Quadraspire in England tangiert. Dort arbeitet man sowieso in großen Hallen mit viel Sicherheitsabstand und in Lackierkabinen. Da lässt man Handschuhe und Mundschutz einfach mal an.

Bei Sieveking Sound erleben wir gerade eine sehr ruhige Zeit. Kein Wunder – die meisten unserer Händler sind geschlossen. Dennoch arbeiten wir hart daran überhaupt Neuheiten heran zu bekommen. Hart u.a. deshalb, weil die Luftfrachtraten durch den Wegfall der Passagierflieger dramatisch gestiegen sind. – Wer jetzt die Chancen des Home-Office nutzen möchte und einmal z.B. ein Cardas-Kabel hören möchte, der soll doch bitte seinen Händler kontaktieren.

Norddeutsche Hifi-Tage 2020 – Check!

In diesem Jahr gab es die Norddeutschen Hifi-Tage bei eher milden Temperaturen im Holiday Inn an den Hamburger Elbbrücken. Ein letztes Mal vor dem Umzug der Messe nach Hamburg-Harburg durften wir uns mit Flatterechos, mitschwingenden Türrahmen und dröhnenden Wandschränken beschäftigen. Inzwischen können wir das schon ganz gut.

Zu hören war der große TW Acustic Raven Black Night mit passendem 10.5-Tonarm und einem Dynavector-System. Darauf folgten der Audia Flight Phono (im jetzt 12. Baujahr!), die Vorstufe FLS 1 und die bärenstarke Endstufe FLS 4. Die Verkabelung stammte natürlich von Cardas und die Nautilus-Netzleiste machte eine wirklich gute Figur. Als Lautsprecher verwendeten wir die Parsifal Anniversary von Verity Audio in weißem Klavierlack.

Klanglich war die Kombination so natürlich und harmonisch, dass zahlreiche Besucher genau dies kommentierten. „Hier kann man schön Musik hören“, ist wohl eines der gängigsten Komplimente gewesen.

World of Hifi in Neuss

Die Demo-Anlage im Raum Heinrich-Heine-3

Schwierige akustische Bedingungen gehören irgendwie zu den Hifi-Messen dazu. Die World of Hifi in Neuss am vergangenen Wochenende machte da keine Ausnahme. Die Konferenz-Räume des Dorint Hotels sind so konstruiert, dass schwebenden Wände zur Unterteilung verwendet werden. So kann ein sehr großer Raum in gleich vier kleinere Räume unterteilt werden. Die sind dann allesamt recht bassarm, da die Seitenwände ganz wunderbar als Tiefton-Absorber funktionieren. Dafür hat man aber ein ganz wunderbares Flatterecho in den hohen und nunmehr eher schmalen Räumen. Zum Glück hatten wir einen ganzen Schwung an Akustik-Modulen dabei.

Nichtsdestotrotz klang es unerwartet gut und trotz der Bestuhlung mit immerhin 20 Stühlen war genug Fleischabsorption im Raum. Wir spielten eine lockere Mischung aus Pop, großorchestraler Filmmusik, Brit-Rock, Funk, Soul und ein ganz klein wenig Jazz.

Die Anlage bestand aus einem gigantischen TW-Acustic Raven Black Night mit passendem 10.5 Tonarm. Die Elektronik übernahm Audia Flight mit der klassischen volldiskreten Phonostufe, der Strumento No. 1 Mk2 Vorstufe und der Strumento No. 4 Mk2 Stereo-Endstufe. Deren Verpackungen kann man schön ganz links im Bild erkennen. Verkabelt ist natürlich mit Cardas Kabeln und standhafte Unterstützung bietet ein Quadraspire SV2T Rack aus Bambus-Massivholz mit dem optionalen Bronze-Upgrade mit einer Extra-Ebene. Die Lautsprecher stammen von Verity Audio und es sind die Sarastro IIS in weißem Klavierlack. Deren Flightcases sieht man ganz recht im Bild.

Wer sich jetzt den Klang nicht vorstellen kann, dem sei gesagt, dass wir eine ganze Reihe an Besuchern hatten, die sich die halbstündige Vorführung gleich mehrfach angehört haben.

Hong Kong AV Show 2019

Eigentlich ist die Hong Kong Messe jedes Jahr ein Pflichttermin für mich. In diesem Jahr war das Ticket bereits im März möglichst preisgünstig und ohne Rücktrittsrecht gebucht und das Hotel nur wenige Minuten zu Fuß vom Messezentrum ebenfalls. Wer konnte denn auch ahnen, dass es zu gigantischen Protesten in Hong Kong kommen sollen. – Die Ausrichter der Messe auf jeden Fall nicht, die hatten einfach mit einer deutlich zurück gegangenen Besucherzahl zu kämpfen, denn die vielen Besucher aus Shenzen, Dongguan und Guangzhou, nördlich der Sonderverwaltungszone Hong Kong blieben aus. Kein Wunder, berichtete doch das Fernsehen in China von terroristischen Verhältnissen und Gefahr für Leib und Leben.

Letzteres war für mich als Besucher nicht wahrzunehmen. Die South China Morning Post veröffentlichte zwar jeden Morgen Fotos von Großprotesten, doch scheinen mir viele der dortigen Ausschreitungen eher dem zu entsprechen, was rund um deutsche Bundesligaspiele der Hochrisiko-Klasse zu erwarten ist. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man viel Zustimmung zu den Protesten, doch konsequente Ablehnung der Gewalt gegen Polizisten.

Gut besucht war die Messe dennoch und wie immer wird dort vor allem gerne groß präsentiert. Zielpublikum sind eine nicht ganz so kleine Gruppe an Superreichen aus China und weniger die in engen Apartments lebenden Hong Konger. Letztere freuen sich hingegen über immer bessere In-Ohr-Kopfhörer mit kleinen tragbaren Musikspielern.

Vor jeder Messe gilt es die Ohren zu schärfen. Wie klingt eine Trommel denn nun wirklich in einem Saal mit Granitboden?
Streaming und Downloads hin oder her, der wahre Audiophile setzt auch in Hong Kong auf Tonträger als Maß der Dinge und wie man hier schön erkennen kann, herrschte massiver Andrang.
Anne Bisson signiert ihre bandneue UHQCD, die demnächst auch zu uns nach Deutschland kommt. Das Foto beweißt, wer ein solches Lächeln hat, der braucht kein Botox gegen Falten.
Es gibt ein Live-Konzert? Mit Anne Bisson? Aber gerne. Das vorher 45 Minuten Vorträge gehalten werden und auch wirklich jeder, inklusive des Deutschen Vertriebs, auf die Bühne gerufen wird, kann ja keiner ahnen.
Klanglich war es jedoch richtig gut. Anne Bisson gehört zu denjenigen Künstlern, die auf der Bühne mit großer Selbstverständlichkeit agieren und dabei noch mit dem Publikum schäkern. Ein Lied auf Mandarin? Gerne – habe ich doch geübt.
Sony Hong Kong hat sich an das reale Lebensumfeld der Bevölkerung angepasst. Ein Teil des Messestandes simuliert einen U-Bahn-Wagon.
Die neue Verity Audio Lakmé hatte Asien-Premiere und die X-Reference-Racks von Quadraspire machen sich auch in dunklen Vorführkabinen noch gut.
Die wohl schwergewichtigste Vorführung der Messe. Begehbare Endstufen und in diesem Umfeld wirkt auch der größte Transrotor fast zierlich.
In diesem Umfeld wirken die eigentlich nicht eben zierlichen Audia Flight Endstufen sogar noch ganz kompakt.
Wer Understatement mag, der wird diese Ausführung in mattem schwarz der Audia Flight Strumento No. 1 und Strumento No. 4 lieben.

Endoskopisches Firmwareupdate!

Firmwareupdate Audia Fligth FLS 10 in Originalverpackung

Manchmal ist es schwierig allen Kundenwünschen gerecht zu werden. So haben wir einen Bestellung für einen Audia Flight FLS 10 Vollverstärker in silber erhalten und haben das Gerät auch originalverpackt am Lager. Jetzt hat Audia jedoch mit der Einführung der neuen DAC-Platine für die FLS-Serie auch eine geänderte Firmware geliefert, die eine separate Stromversorgung des USB-Empfängers möglich macht. Der Kunde möchte das Gerät jedoch unbedingt originalverpackt haben.

Was also tun? Ganz einfach. Das Gerät wird in der Schutzfolie aus seiner Holzkiste entnommen und wir nähern uns durch einen Schnitt auf der Unterseite der RJ-45 Buchse für Firmware-Updates und lassen die Stromversorgung des internen Prozessors dabei über den Laptop laufen.

Mittels eines solchen, quasi endoskopischen, Eingriffs können wir also sicher gehen, dass der Kunde ein wirklich ganz neues Gerät erhält und trotzdem auf dem aktuellsten Firmware-Stand ist.

HIGH END 2019 – ein Rückblick

Die HIGH END ist jedes Jahr die Höchststrafe für alle Mitarbeiter bei Sieveking Sound. Was für den HiFi-Enthusiasten ein Mekka und für die Hersteller dieser Welt das wichtigste Branchenzusammentreffen überhaupt ist, bedeutet für uns vor allem: Logistik!

In diesem Jahr waren es wieder zwei 7,5-Tonner aus Bremen und die Paletten diverser Speditionen, die sich rechtzeitig zur Messe einfinden mussten – und diese war für uns groß. HIFIMAN hatte wieder ein gut isolierte Vorführkabine in Halle 4. Cardas Audio brauchte im Grunde nur einen Ort, um alle internationalen Vertriebe zu treffen und wollte dabei gut aussehen. Diesen Job übernahm während der vier Messetage Chefin Angela Cardas. Mit Cardas-Tätowierung auf dem Oberarm und Stilettos, die gleich als Fotomuster dienen mussten. Das sieht man sich aber wohl am besten auf der Cardas-Instagram-Seite an. Freude hatte das Sieveking-Sound-Team mit den Geburtsgeschenken für den frischen Papa Brian von Bork, der passend zum eigenen Namen einen BVB-Strampler erhielt. Quadraspire hatte unerwartet viel Platz für eine große Kollektion an Racks und zeigte auch gleich neue Möglichkeiten. So sahen wir zum ersten Mal ein ganz schwarzes X-Reference-Rack mit geschwärzten Bambus-Ebenen. Und dann war da noch der vollste Tonträgerstand der Messe, der alle, die meinten, dass niemand mehr Tonträger kaufen würde, Lügen strafte. Cellist Vincent Bélanger kam an den Stand, unterschrieb die eigenen LPs und wir konnten alsbald den ersten Ausverkauf vermelden.

Wem das noch nicht reichte, der hatte vor Ort die Möglichkeit, gleich vier verschiedene Verity-Audio-Lautsprecher zu hören. Die gewaltige Lohengrin IIS hielt Hof und ich erinnere mich an den älteren Herren, der am Freitag morgen den Raum mit den Worten verließ: „Entschuldigen Sie bitte, ich muss jetzt ein wenig weinen.“ Und genau das im Flur vor dem Raum tat. Wir haben auch Schimpfe bekommen. Von PMC im Nachbarraum. Dort spielt man eher laut. Doch der Bass der Lohengrin IIS mit ihren 38-cm-Tieftönern war bei der mächtigen Orgelaufnahme durch die Pappwände des Vorführraumes nebenan wohl ein wenig präsent. Wir hatten sogar eine unerwartet große Anzahl an Menschen in der Vorführung, die eben nicht von Raum zu Raum hetzten, sondern lange die absolute Lässigkeit der Lohengrin IIS, die nebenher noch ein gigantisch großes Klangbild mit allerfeinsten Details bot, genossen. Das ist auf einer Messe selten.

Im direkten Vergleich war die kleine Lakmé leicht zu übersehen und wahrscheinlich die größere Sensation. Eine schon fast zierliche Verity in moderner Optik und einer Abbildungsgröße, die ihre Gehäuseabmessungen Lügen straft.

Bei den Kollegen von Zesto Audio aus den USA spielte dann eine Verity Audio Amadis S in vollem Röhrenglanz auf. Bei CAD aus England hingegen spielte eine Sarastro IIS mit Elektronik von Timo Engström aus Schweden als Antrieb. Beide Ketten waren sehr unterschiedlich und die Verity brachten einfach ihr Klangbild mit großer Leichtigkeit rüber.

Ganz nebenbei spielte auch eine italienische Verbindung mit großer Audia-Flight-Elektronik und Albedo-Lautsprechern. Ein Klang voller Lebensfreude. Die Kollegen von Innuos aus Portugal setzten auch in diesem Jahr wieder auf X-Reference-Racks und bei Audio-Technica ist es nur eine Frage des passenden Ständers. Bei DCS und bei Vita Audio setzt man auf HIFIMAN-Kopfhörer.

Wer jetzt also meint, dass so eine Messe doch eine leichte Übung sein dürfte, der darf sich gerne für die kommenden Jahre als Auf- und Abbau-Helfer melden.

Analog ist mehr als nur LPs

Heute haben die Damen beim Zollamt in Bremen große Augen gemacht. Magnetbänder sind ja eigentlich ein Ding der Vergangenheit und nur noch wenige Fans verwenden die analoge Technik, die damals so schnell von der klanglich viel schlechteren Compact Cassette verdrängt wurde. Als Werkauftrag für einen echten Fan des guten Klanges haben wir heute vier Bandspulen erhalten. Darauf befinden sich Masterbandkopien von Patricia Barbers Erfolgsalben „Café Blue“ und „Nightclub“ mit 15 Zoll pro Sekunde Bandgeschwindigkeit auf Metallspulen.

Masterbandkopien auf analogem Tonband

Mangels Bandmaschine können wir einfach nur aus Erfahrung behaupten, dass dies wohl das ultimative Klangerlebnis sein wird.

Wer sich einen solchen Traum ebenfalls erfüllen möchte, der sende uns bitte eine E-Mail. Bei entsprechenden Anfragen kann man das Label vielleicht davon überzeugen noch ein paar Bänder in Auftrag zu geben.