Masteringlegende Stan Ricker ist tot

Es ist glücklicherweise selten, dass man über den Tod von Menschen schreiben muss, die man selbst gekannt hat. Stan Ricker war für mich einer dieser Menschen, deren Legende mir lange vor einem Zusammentreffen bekannt war. Als ich ihn auf der CES 2005 dann zum ersten Mal traf, war ich sehr angetan vom freundlichen älteren Herren mit der guten Laune, der bereitwillig für jedes Foto ein Lächeln fand und auch mir Jungspund offen begegnete.

Stan hatte damals mit Tim de Paravicini das Half-Speed-Mastering-System bei Mobile Fidelity neu aufgebaut und gab Shawn R. Britton richtiggehende Unterrichtsstunden in den Feinheiten des Lackschnitts. Stan Ricker war es, der die legendären Beatles-Alben für Mobile Fidelity geschnitten hat. Ein Projekt, das ihm eigentlich gar nicht so gefiel, da er lieber eine neutralere EQ-Einstellung gewählt hätte, als die schlussendlich verwendete mit amerikanisch kräftigen Bässen und flirrenden Höhen. Ein riesiger Erfolg waren die Beatles auch auf MFSL trotzdem.

Seine Schnitte sind heute legendär und der gerade Verstorbene hat noch immer im privaten Studio gearbeitet. Erst vor kurzem schnitt er für AudioNautes die La-Spagna-LP neu und ganz fabelhaft. Wer seine alten Sammlungen durchguckt, wird sicherlich die ein oder andere Platte mit der berühmten Lackinschrift SR/2 finden. Stan Ricker im Half-Speed-Mastering.

Ruhe in Frieden, Stan. Und danke.

Jan Sieveking

Stan Ricker

 

Einen Nachruf von Matthias Böde für die STEREO lesen Sie hier.

 

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